Franz Werfel:
Eine blassblaue Frauenschrift

gelesen von Bettina Rossbacher

 

Eine Erzählung über persönliche Verantwortung, gesellschaftliche Haltung und die Folgen des Wegsehens:  „Eine blassblaue Frauenschrift“ – 1940 im Exil in Frankreich geschrieben, 1941 in Argentinien veröffentlicht – ist das Psychogramm eines Opportunisten, die Geschichte über den skrupellosen Verrat einer Liebe, eine Lebenslüge und den schwelenden Antisemitismus vor dem Anschluss. Wien, Oktober 1936:  Leonidas sieht sich als „Götterliebling“. Der Sohn eines armen Gymnasiallehrers ist durch Heirat in die höchsten Kreise der Gesellschaft aufgestiegen und gehört als Sektionschef im Unterrichtsministerium zur politischen Elite des Landes. Kurz nach seinem 50. Geburtstag erhält er einen Brief, verfasst in einer blassblauen Frauenhandschrift. Die Jüdin Vera Wormser, mit der ihn eine kurze, heftige Liebesaffäre 18 Jahre zuvor verbindet, bittet ihn um Hilfe für einen „jungen begabten Mann“. Mit einem Schlag sieht sich Leonidas, in seiner Selbstzufriedenheit erschüttert, mit einem Kapitel seiner Vergangenheit konfrontiert, das er längst abgeschlossen wähnte.